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DIE
KERATOKONJUNKTIVITIS DER KATZE
(Siehe auch:
Augenerkrankungen)
Der neueste Stand der
Therapie:

Bei der Katze hat die
Konjunktivitis meist ihre Ursache in einem infektiösen Agens.
Eine der Hauptursachen
stellt das feline Herpesvirus 1 dar. Dies wurde erstmals von
CRANDELL u. MAURER (1958)1 beschrieben. Nach einer
primären Infektion repliziert das Virus in den Epithelien des
oberen Respirationstrakts. Die klinische Symptomatik resultiert aus
den dadurch entstehenden zytopathischen Effekten2.
Nach einer 48 bis
72stündigen Inkubationszeit3 führt die Erstinfektion zu
einer Konjunktivitis, doch das Virus repliziert auch im
Korneaepithel, ohne dass dies klinisch in Erscheinung tritt. Es
kommt zu einem serösen Augenausfluss und bilateraler konjunktivaler
Hyperämie2. Die Symptome bestehen in der Regel über
einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen, doch variieren die
Inkubationszeit und Dauer der Erkrankung mit der inokulierten
Virusmenge4.
In den meisten Fällen
hinterlässt die primäre Infektion keine bleibenden Schäden am Auge,
doch kann es bei Katzenwelpen in Folge der starken
Fibrinausschwitzung zu einem Symblepharon kommen5.
Ältere Katzen können
ebenfalls an einer Konjunktivitis erkranken, wenn sie in ihrem Leben
schon einmal eine FHV-1-Infektion durchgemacht haben und es nun zu
einem erneuten Schub – meist infolge von Stress – kommt.
Respiratorische Symptome fehlen dann oft. Häufig wird bei diesen
Tieren eine beidseitige Konjunktivitis beobachtet6. In
Verbindung mit dem felinen Leukämievirus (FeLV) oder dem felinen
Immundefizienzvirus (FIV) kommt es zum gehäuften Auftreten einer
Konjunktivitis. Die klinischen Symptome bei adulten Katzen sind eine
hyperämische Konjunktiva, intermittierender Blepharospasmus und
milder seröser Augenausfluss. Es kann auch zu einer Reduktion der
Tränenproduktion und einer Verminderung der Sensibilität der Kornea
kommen7.
Das typische
Krankheitsbild der Infektion mit Chlamydia psittaci
tritt bei Katzen jeden Alters auf und zeichnet sich durch eine meist
unilaterale Konjunktivitis aus. Es sind jedoch Welpen und Jungtiere
vermehrt betroffen8. Eine Infektion des
Respirationstraktes kann auftreten, tritt jedoch nur selten klinisch
in Erscheinung9-15. Charakteristische Symptome sind
Hyperämie und Chemosis der Bindehaut, seröser Augenausfluss, der in
chronischen Fällen purulent werden kann und seltener die Bildung von
Follikeln8. Charakteristisch für eine Chlamydieninfektion
sind zytoplasmatische Einschlußkörperchen in den Epithelzellen der
Konjunktiva zwischen Tag 7 und 14 der Infektion9. Anfangs
dominieren neutrophile Granulozyten das zytologische Bild, später
werden alle Zelltypen gesehen.
Eine Konjunktivitis kann
ihre Ursache auch in einer Infektion mit Mycoplasma felis
und M. gatae haben. Sie ist durch Epiphora und
papilläre Hypertrophie der Bindehaut charakterisiert. Zusätzlich
kann es zu Follikelbildung, Chemosis und der Bildung von aus weißem
Exsudat bestehenden konjunktivalen Pseudomembranen kommen.
Polymorphnukleäre Leukozyten dominieren das zytologische Bild und in
den Epithelzellen können basophile Einschlußkörperchen gesehen
werden16-20.
Als andere Ursachen für
eine Konjunktivitis bei der Katze kommen verschiedene Bakterien
(Pasteurella spp., Staphylococcus spp., Streptococcus spp.,
Moraxella spp., Salmonella typhimurium), Reoviren und
Caliciviren in Frage21,22.
In einem Fallbericht
beschrieben KNAPP et al. (1961) 23 den Nematoden
Thelazia californiensis als Ursache einer Konjunktivitis bei
einer Katze.
BLOCHER et al.
(2000) 24 beschrieben eine allergisch bedingte
Konjunktivitis bei zwei Katzen mit rezidivierender,
therapieresistenter, seröser katarrhalischer Konjunktivitis. Die
mittels PCR auf Chlamydien und FHV-1 untersuchten Tupferproben waren
negativ. Ein serologischer Allergietest ergab erhöhte IgE-Titer
gegen Hausstaub- und Futtermilben.
[zum
Seitenbeginn]
Das feline
Herpesvirus 1 kann auf zwei Wegen eine Erkrankung der Kornea
hervorrufen.
Einerseits verursacht es
Hornhauterosionen durch seinen direkten zytopathischen Effekt auf
das Hornhautepithel. Dies führt zu den typischen dentritischen
Läsionen. Allerdings hat das Virus nur einen geringen Tropismus zum
Korneagewebe2. Bei einer experimentellen Infektion sind
diese Läsionen in einem zweiphasigen Verlauf zu sehen. Zwischen dem
dritten und sechsten Tag der Infektion treten an der Stelle, wo sich
das lokal applizierte Virus vermehrt, zahlreiche mikrodentritische
Muster auf. Sie verschwinden danach und sind erst am Tag 11, wenn
durch die Nekrose der Konjunktiva neues infektiöses Virus
freigesetzt wird, wieder zu sehen25. Während der
Primärinfektion können unscheinbare Veränderungen der Kornea
(mikrodentritische Läsionen) auftreten.
Andererseits kann das
FHV-1 auch stromale Defekte wie Trübungen und Ulzera mit
Gefäßeinsprossung hervorrufen, die in keinem direkten Zusammenhang
zur Virusreplikation stehen. Durch eine Suppression der lokalen
Immunantwort durch etwa eine Infektion mit dem FeLV/FIV oder durch
Umweltstress kann das Virus in das Hornhautstroma gelangen26.
Die Keratitis wird dann durch eine Immunreaktion auf das virale
Antigen (ohne Zusammenhang mit einer Virusreplikation) verursacht27.
Neben den sensorischen
Ganglien kann auch die Kornea ein Ort für Viruslatenz sein28,29.
Eine Reaktivierung des Virus resultiert aus endogenem Stress oder
der Applikation von Kortikosteroiden.
Die Symptome einer FHV-1
Keratitis variieren in Abhängigkeit von der Dauer und Schwere der
Erkrankung. Eine akute dentritische Keratitis wird von einer milden
Konjunktivitis, Blepharospasmus und serösem bis mukopurulentem
Augenausfluss begleitet. Verschmelzen diese dentritischen Läsionen
zu einer landkartenartigen Form, so nennt man sie geographische
Ulzera30. Bei chronischen Fällen kann es zu einem milden
Ödem des Hornhautstromas kommen. Auch eine Vaskularisation und
Fibrose der Kornea sind möglich. Es ist jedoch unwahrscheinlich,
dass durch das FHV-1 eine Einschmelzung des Hornhautstromas
hervorgerufen werden kann30. Die stromale Keratitis ist
nicht das Krankheitsbild einer primären Herpesvirusinfektion2.
Das FHV-1 repliziert normalerweise nicht in Keratozyten. Durch das
virale Antigen wird eine Immunreaktion initiiert und zytotoxische
T-Lymphozyten werden angelockt30.
Der bakteriellen
Keratitis muss eine traumatische Unterbrechung des Korneaepithels
vorausgehen, sodass sich Bakterien niederlassen können. Bei der
Katze treten primäre Krankheiten der Adnexe, die zu einer Irritation
des Epithels führen könnten, nicht häufig auf und so ist diese Form
eher seltener zu beobachten22.
[zum
Seitenbeginn]
Die Ursache dieser
Erkrankung ist bis heute noch nicht vollständig geklärt31-34.
Meist beschränken sich die Veränderungen auf das Auge.
MORGAN et al.
(1996) 31
konnten bei einer Katze auch eine chronische allergische Bronchitis
und eine eosinophile Enteritis beobachten.
Das typische Bild der
proliferativen Keratokonjunktivitis besteht aus einer weißen bis
rosa, ödematösen, unregelmäßigen, vaskularisierten Masse, die meist
vom nasalen oder temporalen Limbus, der peripheren Kornea oder der
angrenzenden bulbären Konjunktiva ihren Ursprung nimmt. Die Nickhaut
kann ebenfalls betroffen sein und mit zunehmender Chronizität kann
sie sich auf die gesamte Kornea ausbreiten. Meist tritt diese
Krankheit zunächst unilateral auf, kann schließlich aber auch am
zweiten Auge in Erscheinung treten22.
Histopathologisch stellt
sich die eosinophile Keratitis als ein chronisch granulomatöser,
entzündlicher Prozess dar, charakterisiert durch ein Infiltrat
bestehend aus Entzündungszellen (vor allem Plasmazellen und
Lymphozyten, eosinophile Granulozyten und gelegentlich Histiozyten
und Mastzellen) 34.
Es genügt in der Regel
die zytologische Untersuchung eines Korneaabstriches, um die
Diagnose zu bestätigen35.
NASISSE et al.
(1996a) 36 konnten in ihrer Studie bei 76% der
Korneageschabsel von Katzen mit einer eosinophilen Keratitis mittels
PCR FHV-1-DNA nachweisen.
[zum
Seitenbeginn]
Die schwarze Hornhautnekrose der Katze ist durch die Degeneration
von Kollagen und Akkumulation eines braunen Pigments
charakterisiert. Sie ist auch unter den Namen Hornhautsequester,
Cornea nigra, Hornhautmumifizierung, fokale Hornhautdegeneration
mit Sequestrierung, Keratitis nigrum, chronische nekrotisierende
Keratitis und primäre nekrotisierende Keratitis bekannt.
Es besteht eine Prädisposition bei Perserkatzen, Himalayakatzen und
Burmakatzen38,39. VAWER (1981)38 beobachtete
ein vermehrtes Auftreten der Krankheit bei colourpoint Katzen und
zog aus Pedigreeanalysen die Schlußfolgerung, daß es sich hierbei um
einen rezessiven Vererbungsmodus handeln könnte. Auch CHAUDIEU u.
FONCK (1989)40 vermuteten nach Abstammungsuntersuchungen
betroffener Tiere eine autosomal rezessive Vererbung.
Die Erkrankung kann ein-
oder häufiger beidseitig auftreten, wobei beide Augen nicht
zeitgleich betroffen sein müssen (CRISPIN, 1993)41.
Die Läsion befindet sich
üblicherweise im Zentrum der Hornhaut, hat eine annähernd zirkuläre
Form und ist variabel pigmentiert. Heller pigmentierte Läsionen
können von Epithel bedeckt sein, während dunkle Läsionen ulzeriert
sind. In der Peripherie ist das Epithel oft ödematös und lose. Meist
ist die Kornea nur bis zu ihrer Mitte betroffen, doch kann sich der
Sequester auch bis zur Descemetschen Membran erstrecken. Mit
Fortschreiten der Krankheit kann es zur Vaskularisation der Hornhaut
und zum stromalen Ödem kommen.
Histopathologisch setzt
sich der Sequester aus degeneriertem Kollagen und Fibroblasten mit
einer angrenzenden Zone aus Entzündungszellen (Lymphozyten,
Plasmazellen, und seltener polynukleäre Leukozyten, Makrophagen und
Riesenzellen) zusammen42.
Die Ursache der
schwarzen Hornhautnekrose ist unklar. Da diese Erkrankung
vorwiegend bei brachyzephalen Katzen zu finden ist, nimmt man an,
dass die Irritation durch ein Entropium und Exophthalmus sowie
korneale Mikrotraumata dafür verantwortlich sind43. Auch
auf Grund einer Infektion mit dem FHV-1 kann es zur Bildung eines
Hornhautsequesters kommen.
NASISSE et al.
(1996b)44 fanden bei 55% der mittels PCR untersuchten
Korneageschabsel von Katzen mit schwarzer Hornhautnekrose FHV-1-DNA.
Auch in anderen Studien konnte ein Zusammenhang mit dem FHV-1
gefunden werden45,46. Verschiedene bakterielle Erreger
und vereinzelt Pilzsporen konnten ebenfalls isoliert werden38,43,47,48.
Viele Autoren postulieren eine zuvor stattgehabte Verletzung der
Hornhaut37,38,48. Auch lokale Mechanismen im
Hornhautmetabolismus werden diskutiert49.
Bei dem Pigment handelt
es sich nicht um Melanin. Es wird vermutlich vom geschädigten
Hornhautstroma über den Tränenfilm absorbiert38. Durch
eine Stoffwechselstörung der Hornhaut kann durch Polymerisierung der
oxidierten Formen von Tyrosin, 3,4-Dihydroxyphenylalanin (DOPA),
Epinephrin und Katecholamin dunkles Pigment entstehen. In akuten
Fällen dominieren neutrophile Granulozyten das Bild der
Entzündungszellen. Kommt es zur Chronizität, sind vor allem
Makrophagen und Riesenzellen zu finden50.
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Seitenbeginn]
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Seitenbeginn]
THERAPIE
Konjunktivitis und
Keratitis
1. Virusstatika
lokal:
Triherpine®-Augentropfen
(Trifluorothymidin; Novartis → Auslandsapotheke Italien) mind. 4x
täglich
Triflumann®-Augentropfen
(Trifluorothymidin; Fa. Mann→ Auslandsapotheke Deutschland) mind. 4x
täglich
Systemisch:
Famvir® 125mg-Tabletten
(Famciclovir; Novartis) 1x täglich ¼ Tablette (Welpen 1/8 Tablette)
2. Antibiotika
Gegen Sekundärerreger
(Chlamydien, Mykoplasmen)
Oxytetracyclin®-Augensalbe (Tetracyclin; Jenapharm →
Auslandsapotheke Deutschland) 2x täglich
3. Tränenersatz
Durch die Konjunktivitis
kann es zum Zuschwellen der Ausführungsgänge der Tränendrüse kommen
(der Schirmer Tränentest sollte bei der Katze in 1 Minute > 8mm
sein).
4. Interferon
Felines rekombinantes
Interferon omega (Virbagen omega® 10ME, Virbac)
Augentropfen herstellen:
Interferon : NaCl 0.9% =
1 : 10 à 500.000 U/ml in ein Augentropffläschchen
3 Wochen im Kühlschrank
/ Monate im Tiefkühlfach haltbar
5. Eiweiss
Wird statt Arginin in
das Erbgut des Herpesvirus eingebaut und reduziert somit die
Replikationsrate – auch vorbeugend als lebenslange Therapie, wenn es
von der Katze freiwillig aufgenommen wird.
L-Lysin-Pulver (z.B. von
Richter Pharma 1kg-Säcke für die Schweinemast erhältlich, die in
Tiegel abgefüllt werden können oder über das Internet
http://www.vitaviva.com als Tabletten erhältlich) 2x täglich
eine Messerspitze (250mg) über das Futter.
6. Jod touchieren
Bei Hornhauterosionen und –ulzera.
Solutio Jodi spirituosa
(ca. 3,5%ig), Baumwollstieltupfer
Das lose Hornhautepithel
sollte entfernt werden (Pinzette)!
7. Keratektomie
Bei therapieresistenter
Hornhauterosion oder Keratitis. Eventuell in Kombination mit einer
Nickhautschürze.
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Seitenbeginn]
Schwarze Hornhautnekrose
Keratektomie und
Nickhautschürze.
Wenn der nekrotische
Bereich schon sehr tief ins Stroma reicht muss als Hornhautersatz
eine Bindehautlappen präpariert werden.
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Eosinophile Keratitis
Kortisonhältige
Augensalben / Cyclosporin Augensalbe
Bei manchen Katzen ist eine lebenslange Therapie notwendig. Die
Therapie sollte mit einer 6x täglichen Applikation eines
Kortisonpräparates beginnen.
Dexagenta-POS® -Augensalbe (Dexamethason + Gentamycin; CromaPharma)
3-6x täglich
Optimmune®-Augensalbe
(Cyclosporin; Essex) 2x täglich
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